Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer, gebräuchlich als EVOH abgekürzt, bildet das chemische Grundgerüst einer weit verbreiteten Klasse von Flüssigembolisaten für vaskuläre Eingriffe an Gehirn und Rückenmark. Anders als Coils oder Partikel wird ein EVOH-basiertes Flüssigembolisat als Fluid appliziert, das erst innerhalb des Blutgefäßes selbst erstarrt, wodurch es sich an unregelmäßige oder verzweigte Gefäßanatomien anpassen kann. Dieser Artikel erläutert die zugrundeliegende Chemie, die Injektionstechnik, mit der Anwender das Verhalten des Materials steuern, sowie die Art und Weise, wie Röntgendichte für die Echtzeitvisualisierung erreicht wird – am Beispiel des LIBRO von INVAMED als Herstellerbeispiel für diese Gerätekategorie.
Wie erstarrt ein EVOH-basiertes Flüssigembolisat innerhalb eines Gefäßes?
EVOH-Flüssigembolisate gehören zu einer größeren Familie, die informell mitunter als „onyx-artige Embolisate" bezeichnet wird, was die gemeinsame zugrundeliegende Chemie dieser Geräteklasse widerspiegelt. Das Copolymer wird in Dimethylsulfoxid, kurz DMSO, gelöst – einem Lösungsmittel, das das EVOH in einem flüssigen, injizierbaren Zustand hält, solange es sich innerhalb des Applikationskatheters befindet. Sobald das Gemisch die Katheterspitze verlässt und mit Blut oder einer anderen wässrigen Umgebung in Kontakt kommt, diffundiert das DMSO nach außen in die umgebende Flüssigkeit. Während das DMSO das Gemisch verlässt, präzipitiert das EVOH-Copolymer aus der Lösung und geht von einem flüssigen in einen weichen, zusammenhängenden festen Zustand über, der die Form des von ihm ausgefüllten Gefäßlumens annimmt. Diese Präzipitationsreaktion verläuft schrittweise von außen nach innen innerhalb der injizierten Säule – eine für diese Materialklasse charakteristische mechanische Eigenschaft.
Warum ist eine kontrollierte Injektionstechnik bei Flüssigembolisaten entscheidend?
Da die Präzipitationsreaktion an der Grenzfläche zwischen Embolisat und Blut beginnt, wenden Anwender üblicherweise eine langsame, kontrollierte Injektionstechnik an, statt das Material als rasche Bolusgabe zu applizieren. Eine langsamere Injektionsgeschwindigkeit ermöglicht es der Außenfläche der EVOH-Säule, schrittweise zu erstarren und eine stabile „Haut" oder Hülle zu bilden, die das Material zurückhält, während weiteres Embolisat dahinter eingebracht wird. Dieser kontrollierte Ansatz gibt dem Interventionalisten Zeit, innezuhalten, den Fortschritt des Materials unter fluoroskopischer Kontrolle zu beurteilen und die Injektion bei Bedarf anzupassen, bevor er fortfährt. Eine zu rasche Injektion kann diesen schrittweisen Erstarrungsprozess beeinträchtigen, weshalb die kontrollierte Applikation ein grundlegendes Prinzip im Umgang mit EVOH-basierten Embolisaten darstellt und keine optionale Verfeinerung ist.
Die Bedeutung der DMSO-Kompatibilität bei der Katheterauswahl
Da DMSO ein aggressives Lösungsmittel ist, kann es bestimmte Kathetermaterialien angreifen, wenn diese nicht kompatibel sind. Neurointerventionelle Teams wählen in der Regel Mikrokatheter aus, die ausdrücklich als DMSO-kompatibel ausgewiesen sind, bevor ein EVOH-Embolisationsverfahren begonnen wird. Diese Kompatibilitätsanforderung ist eine praktische Besonderheit, die Verfahren mit Flüssigembolisaten von solchen mit wässrig basierten Mitteln unterscheidet, und sie verdeutlicht, dass die Verfahrensplanung über das Embolisat selbst hinaus das gesamte Applikationssystem einschließen muss.
Erreichen der Röntgendichte: Warum Tantalpulver zugesetzt wird
Ein Gemisch aus EVOH und DMSO allein wäre unter Durchleuchtung nur schwer sichtbar, weshalb Hersteller der Formulierung eine röntgendichte Komponente beimischen. LIBRO von INVAMED, erhältlich in den Konzentrationen 6 % und 8 %, enthält laut Herstellerangaben Tantalpulver eigens zu diesem Zweck der Röntgendichte. Tantal ist ein dichtes Metall, das unter fluoroskopischer Bildgebung deutlich sichtbar ist, sodass der behandelnde Arzt den Fortschritt der Embolisatsäule in Echtzeit verfolgen kann, während sie die Zielgefäße ausfüllt. Diese Visualisierungsfähigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Anwender während der oben beschriebenen kontrollierten Applikation Entscheidungen zum Pausieren der Injektion treffen können.
Klinische Anwendungen von EVOH-Flüssigembolisaten
EVOH-basierte Flüssigembolisate wie LIBRO werden laut Herstellerangaben zur Embolisation zerebraler arteriovenöser Malformationen und hypervaskulärer Tumoren eingesetzt. Bei AVM-Fällen wird das Embolisat gezielt zum Nidus geführt, um den abnormen arteriovenösen Shunt zu reduzieren oder zu beseitigen. Bei hypervaskulären Tumoren wird die Embolisation häufig vor der chirurgischen Resektion durchgeführt, um den intraoperativen Blutverlust zu verringern. Produkte und Materialien, die bei diesen Eingriffen zum Einsatz kommen, werden auf der Kategorieseite Neurovaskuläre Interventionen von INVAMED näher beschrieben. Für LIBRO liegen keine spezifischen numerischen Leistungsdaten, etwa Verschlussraten, über die vom Hersteller veröffentlichten Angaben hinaus vor; dieser Artikel führt keine derartigen Zahlen an.
Dient Tantalpulver auch anderen Zwecken als der Visualisierung?
Tantalpulver wird Formulierungen wie LIBRO laut Herstellerangaben eigens zugesetzt, um Röntgendichte zu erzielen, sodass die Embolisatsäule während des Eingriffs unter Durchleuchtung sichtbar ist. Es ist nicht an der chemischen Präzipitationsreaktion zwischen EVOH und DMSO beteiligt. Seine Funktion beschränkt sich auf die Ermöglichung der Echtzeit-Bildgebungssichtbarkeit.
Geräteverfügbarkeit und Regulierungsstatus variieren je nach Land. Bitte wenden Sie sich an INVAMED oder Ihren autorisierten Händler vor Ort, um aktuelle Informationen zu den für Ihre Region geltenden Vorschriften zu erhalten.
