Die verflochtene Beziehung zwischen peripherer Arterienerkrankung und Herzerkrankung
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und Herzerkrankung, insbesondere koronare Herzkrankheit (KHK), werden oft als unterschiedliche Krankheitsbilder betrachtet. Eine wachsende Zahl akademischer Forschungen unterstreicht jedoch ihre tiefgreifende und miteinander verflochtene Beziehung. Beide Erkrankungen haben eine gemeinsame zugrunde liegende Pathologie und erhebliche Risikofaktoren, was die pAVK zu einem kritischen Indikator für die systemische Herz-Kreislauf-Gesundheit macht. Dieser wissenschaftliche Blogbeitrag untersucht die komplizierten Zusammenhänge zwischen pAVK und Herzerkrankungen und betont deren gemeinsame Mechanismen, Risikofaktoren und klinischen Auswirkungen, ohne medizinische Ratschläge zu geben.
Der gemeinsame Nenner: Arteriosklerose
Der grundlegende Zusammenhang zwischen pAVK und Herzerkrankungen ist **Atherosklerose**, ein chronischer Entzündungsprozess, der durch die Bildung von Plaque in den Arterien gekennzeichnet ist [1, 3]. Diese aus Cholesterin, Fettstoffen, zellulären Abfallprodukten, Kalzium und Fibrin bestehenden Plaques verhärten und verengen die Arterien und schränken den Blutfluss ein. Während pAVK insbesondere die Arterien betrifft, die die Gliedmaßen mit Blut versorgen, am häufigsten die Beine, sind bei Herzerkrankungen (z. B. CAD) die Arterien betroffen, die den Herzmuskel versorgen [1, 2]. Die systemische Natur der Atherosklerose bedeutet, dass ihr Vorkommen in einem Gefäßbett, beispielsweise den peripheren Arterien, stark darauf hindeutet, dass es auch in anderen Gefäßen, einschließlich der Koronararterien, vorhanden ist oder sich möglicherweise entwickeln kann [2].
Gemeinsame Risikofaktoren und Epidemiologie
Die Risikofaktoren für pAVK und Herzerkrankungen überschneiden sich weitgehend, was ihre gemeinsame Ätiologie unterstreicht. Zu den wichtigsten kardiovaskulären Risikofaktoren, die stark mit einem erhöhten Risiko für beide Erkrankungen verbunden sind, gehören fortgeschrittenes Alter, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Dyslipidämie und Fettleibigkeit [1, 2, 3].
Zum Beispiel gelten Rauchen und Diabetes als zwei der stärksten Risikofaktoren, die das Risiko einer Person, an pAVK und damit an einer Herzerkrankung zu erkranken, deutlich erhöhen [1]. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) ein deutlich höheres Risiko haben, an einer pAVK zu erkranken. Eine retrospektive Querschnittsstudie unter Verwendung von Daten des NHANES (1999–2004) zeigte ein um 54 % erhöhtes Risiko einer pAVK bei CVD-Patienten, unabhängig von anderen Faktoren [1]. Dies unterstreicht, dass das Vorhandensein von Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst ein starker Prädiktor für pAVK ist und umgekehrt.
Epidemiologische Daten unterstützen diesen Zusammenhang zusätzlich. Weltweit sind über 200 Millionen Menschen von pAVK betroffen, wobei ein erheblicher Anteil auch an einer begleitenden koronaren oder zerebrovaskulären Erkrankung leidet [2]. Bemerkenswert ist auch die Prävalenz von Multisystemerkrankungen (pAVK + koronare Herzkrankheit + zerebrovaskuläre Erkrankung), was auf die weitreichenden Auswirkungen der Atherosklerose hinweist [2].
Klinische Implikationen und Prognose
Das Vorliegen einer pAVK ist ein starker Indikator für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Patienten mit pAVK haben eine schlechte Prognose und ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, einschließlich Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Schlaganfall und kardiovaskulärem Tod [1, 3]. Tatsächlich kann das Risiko unerwünschter Folgen im Zusammenhang mit einer pAVK mit dem Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung allein vergleichbar oder sogar größer sein [1]. Ungefähr ein Drittel der Patienten mit einer pAVK-Diagnose sterben innerhalb von fünf Jahren und 20 % erleiden einen Herzinfarkt [1].
Die frühzeitige Erkennung einer pAVK ist entscheidend für die Einleitung einer geeigneten leitliniengerechten medizinischen Therapie mit dem Ziel der Sekundärprävention kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Ereignisse. Diagnostische Verfahren wie die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI) sollten allgemeiner zur Erkennung einer pAVK eingesetzt werden, insbesondere in Risikopopulationen [3].
Biomarker und Pathophysiologie
Neuere Forschungen haben sich auch auf die Rolle von Biomarkern beim Verständnis des Zusammenhangs zwischen pAVK und Herzerkrankungen konzentriert. Erhöhte Werte des N-terminalen natriuretischen Peptids vom Pro-B-Typ (NT-proBNP) und der hochempfindlichen Troponine (hs-Troponin T und hs-Troponin I) wurden sowohl mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch mit der Entwicklung einer symptomatischen pAVK in Verbindung gebracht [1]. NT-proBNP, ein Biomarker für ventrikuläre Belastung und kardiovaskulären Stress, spiegelt eine gemeinsame hämodynamische Dysfunktion bei CVD und pAVK wider. Sein Anstieg deutet auf eine subklinische Herzschädigung hin, die die systemische Atherosklerose durch Entzündung und endotheliale Dysfunktion beschleunigen kann [1].
Die Pathophysiologie von pAVK und Herzerkrankungen hat ihre Wurzeln in der Atherosklerose, beinhaltet aber auch komplexe Wechselwirkungen von Thrombose, Entzündung und Dyslipidämie [1]. Diese Prozesse tragen zum Fortschreiten der Arterienverengung und -verhärtung bei und führen zu klinischen Manifestationen in verschiedenen Gefäßbetten. Das Verständnis dieser komplexen Mechanismen ist für die Entwicklung umfassender präventiver und therapeutischer Strategien von entscheidender Bedeutung.
Schlussfolgerung
Der Zusammenhang zwischen peripherer Arterienerkrankung und Herzerkrankungen ist unbestreitbar und tiefgreifend. Beide Erkrankungen sind Manifestationen einer systemischen Atherosklerose, die durch gemeinsame Risikofaktoren und pathophysiologische Mechanismen verursacht wird. PAVK dient als kritisches Warnzeichen für umfassendere kardiovaskuläre Beeinträchtigungen und unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose, eines aggressiven Risikofaktormanagements und umfassender Strategien zur Sekundärprävention. Ein ganzheitlicher Ansatz bei der Patientenversorgung, der die Vernetzung der Gefäßgesundheit im gesamten Körper anerkennt, ist für die Verbesserung der Ergebnisse bei Personen, die von diesen schwächenden Erkrankungen betroffen sind, von entscheidender Bedeutung. Die fortgesetzte Erforschung der diesem Zusammenhang zugrunde liegenden biologischen Pfade, insbesondere im Hinblick auf Biomarker, wird unsere Fähigkeit, diese miteinander verbundenen Krankheiten vorherzusagen, zu verhindern und zu bewältigen, weiter verbessern.
Referenzen
[1] Wu, X., Shi, J. & Liu, Q. (2025). Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und peripheren arteriellen Erkrankungen und Auswirkungen auf die Patientensicherheit. *BMC Herz-Kreislauf-Erkrankungen*. [2] American Heart Association. (2023). Gesundheitliche Ungleichheiten bei peripherer Arterienerkrankung: Eine wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association. *Auflage*, *148*(3). [3] Nordanstig, J., Behrendt, C. A., Bradbury, A. W., de Borst, G. J., Fowkes, F. G. R., Golledge, J., ... & Norgren, L. (2023). Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – eine herausfordernde Manifestation der Atherosklerose. *Präventive Medizin*, *171*, 107489.
