Wenn Ärzte über abnorme Herzfrequenzen sprechen, fallen häufig die Begriffe Bradykardie und Tachykardie als die beiden übergeordneten Kategorien frequenzbezogener Rhythmusstörungen. Bradykardie bezeichnet einen Herzschlag, der langsamer ist als für die jeweilige Situation üblich, während Tachykardie einen Herzschlag beschreibt, der schneller ist als üblich. Beide können aus harmlosen oder klinisch bedeutsamen Gründen auftreten, und die Unterscheidung zwischen ihnen ist ein wichtiger erster Schritt bei der Abklärung von Rhythmusauffälligkeiten.
Was ist Bradykardie?
Bradykardie bezeichnet im Allgemeinen eine Ruheherzfrequenz, die langsamer ist als der typische Erwartungsbereich für Erwachsene, wobei das, was als abnormal gilt, individuell variieren kann – insbesondere bei trainierten Sportlern, die von Natur aus niedrigere Ruhepulswerte haben können. Bradykardie kann durch Probleme mit dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, Störungen im elektrischen Reizleitungssystem des Herzens, bestimmte Medikamente oder andere zugrunde liegende Erkrankungen entstehen. Falls Symptome auftreten, können dies Müdigkeit, Schwindel oder Ohnmacht sein, wobei Bradykardie auch symptomlos verlaufen und zufällig entdeckt werden kann.
Was ist Tachykardie?
Tachykardie bezeichnet einen Herzschlag, der schneller ist als für die jeweiligen Umstände üblich. Sie wird weiter danach kategorisiert, wo der abnorme Rhythmus seinen Ursprung hat:
- Supraventrikuläre Tachykardie – entsteht in oder oberhalb der oberen Herzkammern und umfasst Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Vorhofflattern
- Ventrikuläre Tachykardie – entsteht in den unteren Herzkammern und gilt im Allgemeinen als Kategorie, die umgehender klinischer Aufmerksamkeit bedarf
Tachykardie kann durch Faktoren wie körperliche Anstrengung, Stress, Fieber, Koffein oder Dehydrierung ausgelöst werden, kann aber auch eine zugrunde liegende Herzrhythmusstörung widerspiegeln, die keinem offensichtlichen Auslöser zuzuordnen ist.
Wie lassen sich Bradykardie und Tachykardie vergleichen?
| Faktor | Bradykardie | Tachykardie |
|---|---|---|
| Allgemeine Definition | Herzfrequenz langsamer als üblich | Herzfrequenz schneller als üblich |
| Häufige Symptome (falls vorhanden) | Müdigkeit, Schwindel, Ohnmacht | Herzstolpern, Benommenheit, Atemnot |
| Beispielerkrankungen | Sinusknotendysfunktion, bestimmte Erregungsleitungsblöcke | Vorhofflimmern, Vorhofflattern, ventrikuläre Tachykardie |
| Mögliche harmlose Auslöser | Körperliche Fitness, Schlaf, bestimmte Medikamente | Körperliche Anstrengung, Stress, Koffein, Fieber |
Wie beurteilen Ärzte einen zu langsamen oder zu schnellen Puls?
Die Abklärung beginnt in der Regel damit, dass ein Arzt Symptome, Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung auswertet, gefolgt von einem Ruhe-EKG zur Charakterisierung des Rhythmus. Da sowohl Bradykardie als auch Tachykardie intermittierend auftreten können, kann ein verlängertes Rhythmus-Monitoring – etwa ein Langzeit-EKG (Holter-Monitor), ein Event-Recorder oder ein System zur mobilen kardialen Telemetrie – empfohlen werden, wenn ein einzelnes EKG den abnormen Rhythmus nicht erfasst oder sich nicht mit den berichteten Symptomen deckt. Der geeignete Monitoring-Ansatz sowie alle weiteren Behandlungsentscheidungen werden vom behandelnden Arzt festgelegt.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein langsamer Puls immer medizinisch bedenklich?
Nicht zwangsläufig. Ein von Natur aus niedrigerer Ruhepuls kann bei körperlich fitten Personen oder während des Schlafs normal sein. Bradykardie in Verbindung mit Symptomen wie Schwindel oder Ohnmacht sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Ab welcher Herzfrequenz spricht man in der Regel von Tachykardie?
Die Definitionen können je nach Kontext und individuellen Faktoren wie Alter und Aktivitätsniveau variieren, weshalb ein Arzt das gesamte klinische Bild bewertet und nicht nur eine isolierte Zahl.
Können Bradykardie und Tachykardie bei derselben Person auftreten?
Ja, bei manchen Erkrankungen können bei einer Person zu unterschiedlichen Zeiten sowohl langsame als auch schnelle abnorme Rhythmen auftreten, was mitunter als Bradykardie-Tachykardie-Syndrom bezeichnet wird. Dies ist einer der Gründe, warum verlängertes Monitoring wertvoll sein kann, um das gesamte Muster der Rhythmusveränderungen über die Zeit zu erfassen.
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